Duerchzuch um Giele Botter

Evolutionsgeschichten und bewegte/bewegende Bilder
Annick Pütz

gehn und gedanke sind eins. sie machen einen schritt
im kopf und sind draussen im ohr. oder tragen sich
zwischen den zähnen als kleine beute.
hören aus dem klopfen ihres herzens
ihr herzklopfen heraus. und hören,
wie die landschaft sie bewegt. wie bewegt sie sich
in der landschaft bewegen. als kopfgewebe, als herz und niere.
als geher am stock, als träger unterschiedlichster gesichter.

Nico Helminger

Premiere: 7. September 2007

Der Standort "Giele Botter", ein altes Industriebrachland in der Nähe von Niedercorn, ist heute ein Naturreservat. Während eines künstlerischen Streifzuges entdeckt das Publikum diesen prächtigen Ort, in den etwa zwanzig KünstlerInnen ihre Arbeiten integrieren. Unter Führung eines Begleiters/einer Begleiterin begegnen die Wandernden TänzerInnen, MusikerInnen, bildenden KünstlerInnen und SchauspielerInnen, die diesen Raum mit temporären Installationen formen. Die KünstlerInnen schaffen Bilder rund um die Themen des Wandels, der Wegkreuzung und der Begegnung. Diese für die Geschichte des Ortes repräsentativen Themen berühren auch die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Funktionen des "Giele Botter". Durch ihre Anwesenheit nehmen die wandernden ZuschauerInnen aktiv an der allgemeinen Bewegung dieses Ereignisses teil und werden so zu einem wesentlichen Bestandteil der Choreografie dieses Ortes.

Vom Petinger Bahnhof aus fahren die BesucherInnen mit dem Train 1900 zum "Giele Botter". Alle bekommen bei der Ankunft einen Spazierstock, Symbol all jener, die als WandererInnen oder PilgerInnen lange Distanzen zurücklegen. Von Bahnhof zu Bahnhof dauert das Ereignis 3,5 Stunden.

Der Bildband Duerchzuch um Giele Botter erscheint 2008. Er enthält Fotos des Kunstevents und zudem einige Texte, darunter diejenigen von Nico Helminger, der - mal Realist, mal Surrealist - Überlegungen über das Wandern und die begleitenden Gedanken anstellt.

La démarche, caractérisée par le multidisciplinaire, crée avec la nature environnante, d'une oeuvre à l'autre ou entre participants d'une même performance, des correspondances qui rappellent celles de Baudelaire évoquées dans le poème éponyme: Les parfums, les couleurs et les sons se répondent.
(Le Jeudi)

Rätselhafte bis poetische Klanginstallationen, Land Art, Fotografie, Tanz-Performances und interaktive Spielsituationen schufen den Resonanzboden für eine ortsbezogene Landschaftserfahrung, die sich an den Begriffen "Identität" und "Gemeinschaft" spielerisch abarbeitet und mit den ephemeren Möglichkeiten künstlerischer Intervention auch ein eher kunstfernes Publikum erreicht. (Tageblatt)

Konzept und künstlerische Leitung: Annick Pütz
Produktionsassistent: Philippe Kralj
Ökologischer Berater: Josy Cungs
KünstlerInnen: Anne-France Abillon, Véronique Albert, Dania Antinori, Marc Baum, Bernd Bleffert, Paula Defresne, Tony Di Napoli, Nico Helminger, Veronique Kolber, Philippe Kralj, Rupert Kraushofer, Liquid Penguin Ensemble, Sosana Marcelino, Marie-Lune, Annick Pütz,Thomas Rath, Thierry Raymond, Cyril Thiébaut, Clod Thommes, Raphaëlle Vierling

Im Rahmen von Luxemburg und Grossregion, Europäische Kulturhauptstadt 2007